Digital Health Geschenke unterm Baum

Liebe Leser:innen von PM-Online,

wie schön, dass Sie sich in der oft zwischen Hektik und Besinnlichkeit schwankenden Adventszeit noch einmal die Zeit für einen gemeinsamen Blick in meine letzten Digital Health Notizen des Jahres 2025 nehmen. Überall in Funk, Fernsehen und digitalen Medien laufen nun die Jahresrückblicke, also ein guter Grund für mich, dies auch mit Blick auf Digital Health zu tun – garniert mit einem kleinen Ausblick auf das kommende Jahr 2026.

Machen wir es uns nun gemütlich auf dem Sofa, naschen von den Plätzchen und packen wir gemeinsam ein paar ganz besondere Päckchen aus – jene digitalen „Geschenke“, die das Gesundheitswesen 2025 hervorgebracht hat:

EHDS – Europas neuer Gesundheitsdatenrahmen

2025 brachte uns mit dem European Health Data Space (EHDS) nicht spektakuläre Effekte, aber einen entscheidenden Meilenstein. Die Verordnung wurde am 5. März veröffentlicht, trat am 26. März in Kraft und legt erstmals EU-weit fest, wie Gesundheitsdaten genutzt, geteilt und geschützt werden sollen.

Damit erhalten wir Bürger:innen neue Rechte – Zugang, Kontrolle, Übertragbarkeit, Widerspruch – und Forschung sowie Innovation einen klaren Rahmen für die Sekundärnutzung. Die Mitgliedstaaten müssen nun ihre Systeme interoperabel machen, doch viele Vorgaben greifen erst ab 2027 oder gar später.

Die Einführung war geprägt von Diskussionen um Datenschutzfragen, fehlendem Vertrauen und hohen technischem Anpassungsbedarf. Aber für Deutschland eröffnet der EHDS 2026 die Chance, Daten erstmals verlässlich grenzüberschreitend nutzbar zu machen. Sicher noch kein fertiges System – aber ein überfälliger, wichtiger Rahmen.

ePA – Eine Akte für alle, genutzt von wenigen

Seit dem 15. Januar erhält jede gesetzlich versicherte Person automatisch eine elektronische Patientenakte (ePA). Seit dem 1. Oktober müssen alle Gesundheitseinrichtungen Befunde, Arztbriefe und Berichte digital einpflegen.

Bereits im Februar waren fast 70 Millionen ePA angelegt. Die gematik registrierte an einzelnen Tagen bis zu sechs Millionen Zugriffe, in drei Wochen 50 Millionen Einsichten; die elektronische Medikationsliste wird täglich mehrere hunderttausend Mal aufgerufen.

Die ePA ist also da – und sie wirkt dort, wo Vorbefunde oder Medikationshistorien wichtig sind. Doch die Nutzung bleibt ausbaufähig. So meldete eine große Krankenkasse bis Juni nur 114.000 Log-ins, eine andere 750.000 aktive Nutzer:innen bei 11 Millionen angelegten Akten. Von rund 160.000 Einrichtungen arbeiteten 2025 etwa 46.000 tatsächlich mit der ePA.

Viele Akten bleiben leer, viele Versicherte sind unsicher, viele Praxen noch zögerlich.

2026 muss deshalb das Jahr werden, in dem aus „bereitgestellt“ tatsächlich „verwendet“ wird, z.B. durch bessere Aufklärung, stabilere Prozesse und vor allem durch spürbare Mehrwerte für Patient:innen wie Ärzt:innen.

DiGA – Fünf Jahre später zwischen Regelversorgung und Realitätsschock

Fünf Jahre „App auf Rezept“ haben wir 2025 gefeiert, 57 DiGAs sind im Dezember im BfArM-Verzeichnis gelistet. Sie eröffnen neue Wege in mentaler Gesundheit, Chronikerbetreuung und akuter Therapie-Unterstützung.

Doch trotz Rechtsrahmen und Erstattungsfähigkeit bleiben DiGA für viele Praxen ein Nischenthema. Ein kleiner Teil der verordneten Apps wird wirklich genutzt und oft fehlt die Integration in Behandlungsabläufe – ohne strukturierte Anamnese, klare Indikation und Vergütung für Aufklärung fehlt vielen Ärzt:innen die Zeit für den gezielten Einsatz von DiGAs.

Potenzial? Unbestritten. Realität? Durchwachsen.
2026 entscheidet, ob DiGAs Bestandteil echter Versorgungspfade werden oder nur ein gutes Konzept bleiben, das im Alltag zu selten ankommt.

eRezept – Standard für Arzneien, Baustelle für DiGA

Das eRezept hat 2025 seinen Durchbruch geschafft: Über 500 Millionen digitale Rezepte wurden eingelöst. Ein starkes Signal für etablierte Prozesse und Infrastruktur. Die Kombination mit der ePA schafft erstmals eine sichere digitale Medikationshistorie.

Anders die DiGA-Verordnung per eRezept. Im Pilotprojekt wurden 119 DiGA-e-Rezepte ausgestellt – davon 15 digital, 13 per Papier-Token eingelöst. Das entspricht 12,6 % digital bzw. 23 % insgesamt, weit unter der Einlösequote von 50–70 % bei Arzneimitteln.

Gründe sind komplizierte Authentifizierung, PIN- und NFC-Hürden, fehlende Routine, und der Reflex vieler Patient:innen, doch den Papierweg zu wählen.

2026 wird zeigen, wie DiGA-Verordnungen vereinfacht werden müssen, damit sie so selbstverständlich werden wie das eRezept es schon ist.

Die Welt da draußen – Digital Health Trends

Auch global hat sich 2025 viel bewegt:

WHOOP machte 2025 den Sprung vom Fitness-Tracker zur Longevity-Plattform mit neuartiger Sensorik, on-demand-EKG, Blutdruck-Insights und Laborintegration. TIME kürte es zu den „Best Inventions of 2025“. 2026 könnten solche Programme in Deutschland vor allem im Selbstzahlermarkt Fuß fassen, perspektivisch sind sie spannend für Prävention und Bonusprogramme der Krankenkassen.

Eli Lilly erweiterte seine Versorgungsplattform um Adipositas-, Diabetes- und Alzheimer-Angebote – inklusive Telemedizin, Diagnostikpfaden und Coaching. LillyDirect zeigt, wie Pharma zur digitalen Versorgungsplattform wird, in Deutschland vielleicht in Zukunft als Modell für integrierte Versorgung denkbar.

PrediHealth ist ein europäisches Projekt und kombiniert IoT-Sensoren, Telemedizin und KI-Vorhersagemodelle, um Verschlechterungen bei Herzinsuffizienz früh zu erkennen. Solche Ansätze passen perfekt zu Telemonitoring, Hybrid-DRGs und Versorgungssteuerung im DMP-Kontext ab 2026.

WoundAIssist ist eine App, die Wunden per KI lokal analysiert und telemedizinisch begleitet. Das ist besonders hilfreich für ältere und chronisch kranke Patient:innen. Angesichts der vielen Betroffenen und bereits existierender Wundnetzwerke in Deutschland eine realistische Zukunftsanwendung, auch im Bereich der DiGA.

So, jetzt haben wir alle Päckchen ausgepackt. Bleibt mir noch, Ihnen eine friedliche Adventszeit, wunderbare Festtage und ein inspiriertes Jahr 2026 zu wünschen. Voller guter Ideen, starker Partnerschaften und digitaler Lösungen, die uns wirklich weiterbringen. Wir lesen uns hier hoffentlich 2026 wieder. Ich muss jetzt erstmal das ganze Geschenkpapier fachgerecht entsorgen und Platz für viele neue Digital Health Entwicklungen unterm Baum schaffen.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Torsten Christann

Anfrage senden

Ihr Ansprechpartner

Torsten Christann
Managing Partner

diga@diox.de
+49 172 / 45 43 31 0